... freitags beginne ich, mir nachmittags nach Feierabend den Irrsinn des Büroalltags aus dem Leib zu schlafen. Tief und fest, bis zu drei oder vier Stunden lang, ist dieser Schlaf. Von Träumen begleitet, erwache ich oft mit diesem "das-waren-bestimmt-nur-5-Minuten-Gefühl." Und oftmals auch mit der Empfindung, garnicht geschlafen zu haben, so sehr schaltet mein Körper alles weg. Danach geht's eine Stunde auf die Matte. Ein bewußtes Versinken. Mit offenen Augen den Körper in alle Richtungen öffnen, sämtliche Glieder recken und strecken. Und Atmen. Oft kommen dann nochmal Situationen der Arbeitswoche hoch... und dieser Irr:sinn, genannt Unternehmensführung. Ich sehe es mir an, gebe es dann ab. Manchmal werde ich ziemlich sarkastisch dabei, oder belege das Wort "Firmenkultur" in Gedanken mit meinen eigenen Werten, und weiß, daß ich nach wie vor aufpassen muß. Wer jahrelang klagt, wird dem Gegenstand seiner Klage immer ähnlicher, oft, ohne das er es merkt. Während ich diesen Gedanken wieder ziehen lasse, muß ich lächeln.... gehe in die nächste Übung, konzentriere mich darauf, mich in die Dehnung fallen zu lassen. Die körperliche Geschmeidigkeit, die mein Körper mir jetzt bietet, beginnt, sich auch auf die äußeren Bereiche meines Lebens zu erstrecken. Was zu mehr Gelassenheit führt, die man definitiv nicht mit der Begrifflichkeit Resignation belegen kann. Das ist wie ein Üben von Geduld. Das im Rahmen dieser Übungen gestählte Geduldsvermögen sorgt dafür, daß das Gewebe, welches den Muskel umgibt, nachgibt, ihm dadurch mehr Raum verschafft, weshalb er wachsen kann. Mehr Ausdauer und Kraft, mit der Zeit aber mit immer weniger Anstrengung.... letztendlich erreiche ich dann doch das, was mir vorher unerreichbar erschien. Was aber viel wichtiger ist, durch dieses Loslassen stelle ich mir selbst den Raum zur Verfügung, den ich für meine Entwicklung brauche.

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